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Teebeutelsprüche

«Sprich von Herz zu Herz!» - Nein, das ist nicht mein persönliches Tagesmantra. Es gibt da diese Teesorte, die ich mag mit Sprüchen auf dem kleinen Zettel an der Schnur.


Einigen zaubern solche Teebeutelsprüche ein Lächeln ins Gesicht, während andere gequält die Augen verdrehen.

Dabei liegen östliche Weisheiten gerade im Trend.

Die Achtsamkeitswelle hat neben Yoga-Kursen längst die Führungsetagen der Wirtschaft erreicht und in Buchhandlungen liegen Sprüche-Kalender und Selbsthilferatgeber für das seelische Wohlbefinden in den vordersten Präsentationsregalen. Nicht verwunderlich, denn zufolge Statistiken des BAG zur Lage der Nation in Sachen psychische Gesundheit, leidet etwa jede fünfte Person im berufsfähigen Alter unter einer mittleren bis hohen psychischen Belastung.


Unter diesen Umständen könnte also «von-Herz-zu-Herz-Kommunikation» ziemlich hilfreich sein, wenn damit gemeint ist, seine Gefühle authentisch auszudrücken. Seit der Aufklärung stellen wir unseren rationalen Verstand ins Zentrum des Universums. Ich denke, also bin ich. Unglücklicherweise kann es aber besonders in der zwischenmenschlichen Kommunikation als ziemlich unvernünftig betrachtet werden, sich allein auf seinen Verstand zu verlassen. Die Gehirnforschung zeigt, dass unsere Fähigkeit zum rationalen Denken stark eingeschränkt wird durch Stress. In unserem westlichen Alltag dürfte dies also praktisch immer zutreffen, ganz besonders im Falle von belastenden Beziehungen. Nach meinen Kenntnissen ist die Fähigkeit sich in andere einzufühlen so ziemlich die wichtigste Komponente in der herzgesteuerten Kommunikation. Und auch da ist zu bemerken, dass diese sogenannte Empathie Fähigkeit sinkt, wenn das Stressniveau im Körper steigt.


Daraus folgt Strategie Nummer 1 als Voraussetzung für gute Gespräche: Relax!

Wie schaffst du das? Trial and error. Finde für dich persönlich die beste Methodenkombination heraus. Mein Verstand sagt mir: Es gibt keine 31-Tage-Bestseller-Anleitung, die für jedermann und jedefrau taugt.


(erschienen im Magazin «Die Ostschweiz», No. 1 / 20)

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